Christus auf Augenhöhe

Im Rahmen der Kunstaktion Dasein in Kunst und Kirche werden Künstler eingeladen Werke für den Kirchenraum zu schaffen. Der im vergangenen Herbst verstorbene Dr. Friedrich Fuchs initiierte und begleitete das Projekt in den vergangenen Jahren. Das Rahmenthema Barmherzigkeit wurde von zahlreichen Künstler aus der Region ganz unterschiedlich aufgegriffen und verwirklicht.
Die Christusplastik von Dominik Schleicher aus einem kleinen Ort zwischen Amberg und Regensburg ist als filigrane Bronzeskulptur ausgeführt. Der gelernte Steinbildhauer liebt es immer wieder mit Bronze zu arbeiten, das ganz andere Materialeigenschaften wie der Stein zeigt.

Von Ferne ist es ein gekreuzigter Christus, er erinnert an ein romanisches Triumphkreuz mit einem verherrlichten Christus. Karfreitag und der Ostermorgen können in einem Bildwerk erahnt werden. Beim Näherkommen zeigt sich, dass das vermeintliche Kreuz nur die ausgebreiteten Arme des Corpus sind. In der Orantenhaltung steht Christus auf Augenhöhe, die Skulptur hat eine Höhe von ungefähr einem Meter fünfundsiebzig.

Sein Kopf ist aufrecht und kraftvoll, die Hände vom Kreuzbalken gelöst. Die Handflächen zeigen in entgegengesetzte Richtungen: die eine Hand wirkt beschützend, behütend, bergend mit der Handöffnung nach unten; die andere erhebend, erleichternd, aufrichtend mit der Handöffnung nach oben. Darin zeigt sich Gottes Barmherzigkeit mit dem Menschen, weil er auf ‚Augenhöhe‘ da sein will in den verschiedenen Erfahrungen des Lebens.

Die Skulptur ist auch einer Schwelle montiert, die vor den Stufen des Altares ist. Der Ort wurde bewusst gewählt, weil es der Übergang vom Kirchenschiff zum Presbyterium ist. Der Ort, an dem früher in Dom- und Klosterkirchen der Lettner war, der den Raum des Gottesvolkes, das Langhaus der Kirche, vom Altarraum trennte. Hier war bis zur tridentinischen Liturgiereform der Kreuzaltar für das Volk.

„Introibo ad altare dei.“ – „Ich will hinaufsteigen zum Altar des Herrn“ Daran mag sich mancher aus längst vergangener Zeit noch erinnern. Die offene und einladende Form kann gleichsam eine künstlerische Umsetzung des Aggioranemto der Liturgiereform nach dem zweiten vatikanischen Konzil verstanden werden. Die erbeten Barmherzigkeit Gottes für den sündigen Menschen wird hier durch die Skulptur Ins-Werk-gesetzt.
Auf dem Jura-Block erwächst ein Bronzestab, aus dem die Figur des Gekreuzigten herauswächst. Der Stab erinnert an einen Pilgerstab, an dem sich der Betrachter beim gedanklichen Überschreiten der Schwellen seines Lebens festhalten kann. „Sich aufrichten lassen“, „sich festhalten können“, „seinen Lebensweg weitergehen, auch wenn es nicht leicht fällt“, das sind Momente dieser besonderen Begegnung mit Christus. Sein Anblick will dem Betrachter neue Kraft geben. Der Lebensweg mit seinen Höhen und Tiefen ist in dem Metallband am Boden abstrakt dargestellt.

Der Ort ist mitten in der Blickachse der Gläubigen zu Altar und Tabernakel, also den Orten an denen wir die Wirklichkeit Gottes in Fleisch und Blut feiern. Mit den ausgebreiteten Armen nimmt die Skulptur sinnbildlich alle mitfeiernden Christen mit hinein in das Geheimnis des Glaubens.
„Christus auf Augenhöhe“ ist nicht nur eine Höhenangabe für die menschenhohe Plastik, sondern das Motiv der Barmherzigkeit Gottes schlechthin. Gott begegnet dem Menschen „auf Augenhöhe“. Darin wird seine große Barmherzigkeit sichtbar, spürbar und erlebbar. „Jesus Christus ist das Antlitz der Barmherzigkeit des Vaters“ (Papst Franziskus).

Nach der samstäglichen Vorabendmesse waren die Mitfeiernden eingeladen sich dem Kunstwerk zu nähern und mit dem Künstler selbst ins Gespräch zu kommen. Dabei beschrieb der Künstler auch den Weg, bis es zu dem Kunstwerk im Rahmen der Aktion der Künstlerseelsorge und des Diözesanmuseums kam.

Bis zum 19. März wird das Kunstwerk in der Pfarrkirche St. Martin sein und lädt ein zum Betrachten und Beten.

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Bilder vom Christus auf Augenhöhe

Die Bronzeplastik von Dominik Schleicher ist vom 11. Februar bis zum 19. März in der Pfarrkirche St. Martin in Laberweinting zu sehen.

Einfach Barmherzigkeit

Unzählige Versuche gibt es sich dem Thema Barmherzigkeit zu nähern. Der bekannte Künstler Gerhard Kadletz aus Landau an der Isar lädt in seiner Skulptur ein, sich selber dem Thema zu nähern. Der Vorteil einer räumlichen Skulptur gegenüber einem Bild ist es seit jeher, dass verschiedene Perspektiven eingenommen werden. Der Künstler betont, dass dies zum Kern des Kunstwerks gehöre.

Inmitten des Kunstwerks erhebt sich eine Christusfigur aus gelblichem Marmor, inmitten eines Schiffsrumpfes ragt er als Fels in der Brandung und auch als Mast und Orientierung hervor. Doch das Boot ist nur noch ein Bruchstück, es ist seeuntauglich. Dennoch wagen tausende Menschen den Weg von der Sandwüste über die Meerwüste des Mittelmeeres zum "Gelobten Land Europa".

"Eine Rettung mit so einem gebrochenen Boot ist einfach aussichtslos! Der Mast, in der Mitte des Bootes, der oft die Rettung darstellt, ragt als Kreuz in den Himmel. Symbolisch habe ich daran Jesus Christus dargestellt. Er ist noch mehr „verletzt“ und „geschunden“, als auf herkömmlichen Kreuzdarstellungen, aber er ist die Rettung! Erbarmt sich denn keiner?" sagt der Künstler selbst.

Auf der Reeling des Bootes kann man noch den Schriftzug Barmherzigkeit erkennen, der auch in arabischer Übersetzung am Bug des Schiffes zu sehen ist. Rachma (arabisch für Barmherzigkeit) ist vom hebräischen Wort Rächäm entlehnt. Das Wort ist heißt eigentlich Mutterschoß. Der Mutterschoß als Urerfahrung der Geborgenheit und Sicherheit ist Quelle barmherzigen Handelns des Menschen. Wo der Mensch selbst unsicher wird, reagiert er mit Angst und nicht selten mit Aggression.

Das Kunstwerk stellt eine Frage, mehr noch es will herausfordern. Die Farbgebung mit weiß und blau erinnert an Mutter Teresa, die durch ihr Vorbild Barmherzigkeit erwecken kann. Gleichzeitig kommuniziert das Kunstwerk mit dem Bild des heiligen Martin, der als Heiliger der Nächstenliebe zugleich Patron der Pfarrei und Pfarrkirche ist.

Zugleich erhebt sich über dem geschundenen Christus am Mast des Bootes die Figur des heiligen Sebastian, der von Pfeilen durchbohrt am Pfahl ist. Das Rokokomeisterwerk Johann Paul Hagers stellt so eine Beziehung her zu dem Christus im Boot, der mit Stacheldraht ans Kreuz geheftet ist.

Am Donnerstag, 19. Januar, nach der Abendmesse um 19.00 Uhr wird das Kunstwerk Interessierten vorgestellt. Der Künstler selbst wird dabei sein und offen für Fragen und Diskussion.

Vom Donnerstag, 19. Januar, bis zum Sonntag, 5. Februar, kann das Kunstwerk in der Pfarrkirche besichtigt werden. Danach wird es in anderen Kirchen des Bistums Regensburg im Rahmen der Kunstaktion Dasein in Liturgie und Kirche der Museen des Bistums und der Künstlerseelsorge Regensburg.

 

 

Eindrücke vom Kunstwerk Barmherzigkeit